General Kießling gestorben

Die Affaire Kießling kann als Paukenschlag der geistig-moralischen Wende der damals neuen Kohlregierung gewertet werden.

Gleichgültig, wer zu jener Zeit den Fels ins Rollen brachte -Homophobe Konservative im Westen oder gar der DDR-Geheimdienst, um den ehemaligen Befehlshaber der NATO-Landstreitkräfte zu diskreditieren- die deutsche Diskussion um die gesellschaftliche „Schädlichkeit“ von Homosexualität musste zum ersten Mal im Nachkriegsdeutschland sehr heftig und offen geführt werden.
(Zur Erinnerung der §175 war noch nicht abgeschafft und Homosexualität galt nach UNO-Definitition als Geisteskrankheit.)

Ob Herr Kießling nun tatsächlich schwul war, spielt für die Folgen der Affaire eine eher untergeordnete Rolle. Schwule in der Bundeswehr, heute offiziell kein Hinderniss mehr – damals undenkbar im wahrsten Sinne des Wortes. Der Umgang mit demThema Homosexualität in Bundeswehr im Jahr 1983 ist heute nur noch vergleichbar mit dem Thema schwule Fußballer in der Deutschen Bundesliga.

Der Fels, der losgetreten gebracht wurde, rollte den heuchlerischen Konservativen über die eigenen Füße. Die öffentliche Meinung folgte den Spießern aus Bonn nicht. Das tat wirklich gut!

Auch wenn wir „Andersartigen“ häufig immer noch Opfer von tätlichen Übergriffen sind, uns Arbeitgeber und Vorgesetzte in der Praxis benachteiligen und uns gleiche Bürgerrechte immer noch verwehrt sind, sind wir nicht mehr „wegzudenken“.

Der Fels rollt weiter!

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5 Antworten to “General Kießling gestorben”

  1. das „offiziell“ hätte ich hervorgehoben. denn ich glaube kaum das du als offen homosexueller gute chancen hättest bei der bundeswehr (oder bei der polizei) karriere zu machen. die gesetze haben sich geändert, der ausdruck vielleicht auch. das reaktionäre denken in solchen verbänden bleibt das gleiche.

    • fatalfraktal Says:

      Ja, das ist vollkommen richtig und nicht nur da. Ich arbeite seit 1986 als Ingenieur und schon eine ganze Weile offen schwul. Und ich weiß ein Lied davon zu singen, in einer eher (Hetero-)Männerdomäne zur arbeiten. Am Ende zählt dann die Heterokumpanei, das Heterofamilienleben, der gemeinsame Heteronenner. Und das heißt dann auch, dass die nächste Stufe der Karriereleiter eher mit einem Familienvater besetzt wird als mit einem schwulen Kollegen. Auch wenn der noch so fähig und so sympathisch ist. Da hilft auch kein AGG wirklich weiter. It´s a long way ….

    • fatalfraktal Says:

      Danke für die Leseempfehlung. Herr Jacobi bringt die standardhomophobe Denke vieler Mitmänner auf den Punkt. da weiß ich mal wieder, warum ich das Bildblättchen nicht lese.
      Ich beobachte aber auch, dass Fortschritte nicht automatisch erhalten bleiben. Im engeren heterosexuellen Freundeskreis habe ich vor kurzem vernommen, dass es mit mehr Rechten nun langsam reichen muss. Nach dem Motto, wir hätten schließlich wichtigere Probleme … Ich war schlichtweg sprachlos. Als wäre die Weltfinanzkrise lösbar, wenn wir auf unsere Rechte verzichteten. Aber ich lasse noch nicht alle Hoffnung fahren.

  2. Beim guten Jacobi kommt ja sowieso einiges zusammen. Ob das nun Ausländerhass, Homophobie, Sexismus ist. Da vereint sich einiges.
    Ja klar, diese Fortschritte werden nicht automatisch verteidigt, auch nicht von sich sonst als aufgeklärten Zeitgenossen bezeichnenden Mitmenschen. Dasselbe läuft ja neben den Rechten für Homosexuelle mit dem Gendermainstreaming, den Rechten für MigrantInnen etc.
    Ich frage mich allerdings, ob nicht auch die Selbstdarstellung der männlichen homosexuellen Szene ist. Ich finde es verkommt zur Selbststilisierung (siehe Wowereit, Westerwelle, CSD). Die mediale Präsenz bezieht sich ja mehr auf ein sehr extrovertiertes hedonistisches Bild. Schaut man sich die Medien an, bekommt man das Bild, dass homosexuell sein heisst viel zu feiern und eben auch Karriere machen. Das es immer noch mehr als genug Übergriffe gegen Homosexuelle gbit, wird meistens total totgeschwiegen (ausser es passt vielleicht in den rassistischen Kontext).
    Vielleicht ist das aber auch nur ein Eindruck, den ich als quasi „Aussenstehender“ bekomme.

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