Archiv für Wahlkampf

Schlecker-Heuchelparade: Transfergesellschaft

Posted in FATALFRAKTAL with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , on 31. März 2012 by fatalfraktal

Wenn Partei-PolitikerInnen fast jeglicher Couleur vor laufenden Kameras fast weinend die böse FDP-3-Pünktchen-Partei in die assoziale Ecke stellen, sollte man misstrauisch werden.

Hier die Guten, die endlich auch einmal die vielen ArbeitnehmerInnen von Pleite-Schlecker in Form einer Transfergesellschaft mit Millionen bedenken wollen und da die Bösen aus der FDP, die nur Hotels und Banken begünstigen. Weiterlesen

Advertisements

Wahl des Bundespräsidenten

Posted in FATALFRAKTAL, GLBT with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , on 26. Juni 2010 by fatalfraktal

Wer kein Delegierter oder keine Delegierte der Bundesversammlung ist, aber dennoch seinen Wunschkandidaten für das Amt des Bundespräsidenten unterstützen bzw. wer die Parteigrenzen unter den Wahlberechtigten aufweichen will, kann den Service von AVAAZ.ORG in Anspruch nehmen.

Diese Seite anklicken, Wohnort angeben mit Postleitzahl und schon wird eine Nachricht, die entweder schon vorgeschlagen ist oder individuell gestaltet und formuliert werden kann, an den „zuständigen“ Wahlmann bzw die „zuständige“ Wahlfrau geleitet.

Wer Herrn Gauck persönlich unterstützen will, kann dies auf seiner offiziellen Kandidatenhomepage tun. Er ist aus meiner persönlichen Sicht sicher nicht der Idealkandidat und keinesfalls ein Grüner oder Linker. Ich traue ihm jedoch einen überparteilichen Blick und einen Korrekturfaktor gegenüber der jeweils herrschenden Regierungskoalition durchaus zu. Und das ist bedeutend mehr, als ich es Herrn Wulff zutrauen würde, der sich z.B. in rechten Kreisen der evangelischen Freikirchen herumtreibt, wie Die Zeit berichtet.

Und in das Fahrwasser der ignoranten Homosexuellenhasser und bizarr-ideologischen Evolutionsleugner darf das Bundespräsidentenamt nicht geraten!

Joachim Gauck: Mein Präsident

Posted in FATALFRAKTAL with tags , , , , , , , , , , , , , on 8. Juni 2010 by fatalfraktal

In schweren Zeiten brauchen wir in Schlüsselpositionen Menschen mit Stehvermögen und Weitblick. Beide Charaktereigenschaften hat Joachim Gauck aufs Beste bewiesen. Seine politische Unabhängigkeit bewahrt er sich bis heute durch seine Parteilosigkeit. Daher ist er auch mein Präsident bzw. der Kandidat „meiner Wahl“.

Eine Bundeskanzlerin ist keine Weihnachtsfrau

Posted in FATALFRAKTAL with tags , , , , , , , , , , , , , on 26. September 2009 by fatalfraktal

Die Diskussionen über den angeblich so „langweiligen“ Bundestagswahlkampf und die so „farblosen“ Politiker haben mich nachdenklich gemacht. Welchen Erlebnis- und Unterhaltungswert fordern wir eigentlich von den politischen Spitzenakteuren der Bundespolitik?

Erwarten wir öffentliche Gladiatorenkäpfe bis aufs Blut, persönliche Beleidigungen, ideologische Streitgespräche ohne Realitätssinn?
Weiterlesen

Falckensteinstraße bis kurz in Friedrichshain

Posted in FATALFRAKTAL, Fotografien with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , on 23. August 2009 by fatalfraktal

Einige Bildfetzen nach einem Sonntagsspaziergang.

Streiflichter Berlin/City-West

Posted in Fotografien with tags , , , , , , , , , , , , , , , , on 18. August 2009 by fatalfraktal

Momentaufnahmen, Eindrücke –
Was man  so wahrnimmt vor und nach der Arbeit

Krimi: Lemonengelb/Teil 1: Sonntagsunruhe

Posted in GLBT, Lemonengelb (Ein Krimiprojekt) with tags , , , , , , , , , , , , on 14. August 2009 by fatalfraktal

Sonntagsunruhe

Der Fernseher lief im Hintergrund und untermalte die dröge Eintönigkeit des Sonntagnachmittags. Es war halbdrei. Was in der Flimmerkiste lief, war Bernd fast egal. Hauptsache nicht zu laut, damit sie nicht störte und nicht zu leise, damit sie wenigstens die bedrückende Stille übertönte.

Was tun mit einem solchen Tag ohne Arbeit, ohne Besuch, ohne Date, ohne Sex in der Samstagnacht?

Noch nicht mal die dunkelste Ecke des „New Action“ hatte in der Nacht zur ersehnten hormonellen Erleichterung geführt. Typen allen Alters und Aussehens unter dem gleichen Vorzeichen der möglichst schnellen und anonymen Triebbefriedigung nach dem Motto „Wix und Weg“ hatten sich dort zusammen gefunden. Er war fast erleichtert, nicht zum Abschuss gekommen zu ein. Die Leere nach dem „Wollen wir noch zusammen ein Bier trinken?“ „Nein, ich muss jetzt gleich nach Hause.“ ist noch abgründiger als Keinen abbekommen zu haben.

Bernd räkelte sich auf dem Stuhl vor seinem Schreibtisch. Der Computer lief, der Webexplorer hatte ein Fenster zu den schier unendlichen Kontaktmöglichkeiten im Net geöffnet. „Gayromeo“, welch phantasievoll-romanischer Name für einen Kulminationspunkt möglicher Sexundmehrinteressierter in tausendfacher Zahl. Anchatten ohne Antwort oder bestenfalls „stats!“. Die Reduzierung auf die „wesentlichen“ Daten machte aus allen Teilnehmern Konservenbüchsen mit Inhaltsdeklaration in einem Supermarktregal.

Bernd schmerzten die unter dem Stuhl zurückgezogenen und verspannten Beine. Er holte tief Luft und schloss mit einem Mausklick das Fenster der unbegrenzten Möglichkeiten, fuhr den Rechner herunter und schaltete ihn schließlich ganz ab.

Kurz lehnte er sich zurück, verschränkte die Arme hinter dem Kopf und schaute mit leerem Blick auf die Wand hinter dem Bildschirm: Raufaser lemonengelb. Wenigstens die Wand schimmerte in freundlich optimistischen Ton. Das Gelb brachte selbst an grauen Wintertagen nach dem Einschalten des elektrischen Lichts einen Hauch von Sonnenschein in sein Wohnzimmer.

Mit einem Seufzer stand er auf und streckte sich. Nun war ihm der Fernseher zu laut. Bezaubernde Jeanie auf Kabel konnte auch nicht aufmuntern und wirkte auf ihn zu naiv optimistisch für diesen todlangweiligen Sonntagnachmittag.

Er schaltete auf dem Weg zur Toilette den Fernseher aus. Mit einem Plopp und dem letzten verzweifelten Aufleuchten eines weißen Punkts in der Mitte des Bildschirmes erstarb das Gerät.

Bernd erleichterte sich auf der Toilette und überlegte, wie der Tag nun weiter gehen sollte. Zum Schlafen war er zu wach. Telefonieren, aber mit wem? Stefan, sein Ex hatte sicher wie immer Probleme auf Lager, die er in ganzer epischer Breite bei jeder Gelegenheit vorträgt. Das würde betäuben ohne zu befriedigen. Anna? Anna, die beste Freundin, bei dem herrlichen Sommerwetter sicher mit ihrem Freund auf dem Segelboot unterwegs. Oder Bernd, die böse Zicke? Mal ne Runde ablästern. Bernd und Bernd geben sich sonst immer gut die Stichworte. Aber nach Lästern ist Bernd nicht der Sinn.

Die verspannten Beine beschlossen einen Spaziergang im Görlitzer Park, dem stimmte Bernd wortlos ohne Gegenwehr zu.

Er nahm im Flur die Jeansjacke vom Haken, griff nach dem Schlüssel auf der Ablage darunter, öffnete die Wohnungstür und warf sie einfach hinter sich zu. Mit jedem Treppenabsatz auf dem Weg vom 4. Stock bis nach draußen ließ er seinen Tigerkäfig mehr und mehr hinter sich. Raus in die Welt. Die Sonne spüren, Menschen sehen.

Bernd überquerte die Straße und betrat den Park. Eine Duftmischung von Grillbude und Bauernhof schlug ihm entgegen. Der Kinderbauernhof zur Linken war gefüllt mit Zwergziegen, Schafen, Eseln und kleinen Kindern mitsamt Eltern.

Die mutigeren der kleinen Monster rannten hinter den Ziegen her und versuchten, sie einzufangen. Die ängstlicheren, die noch nicht die Wehrlosigkeit der Bonsaiziegen -bis auf ihre Schnelligkeit- erkannt hatten, saßen auf dem Arm meist ihres Vaters und drehten und wandten furchtsam und gleichsam sehnsüchtig ihre Köpfchen, gebeutelt vom Zwiespalt es den Mutigeren nachzumachen, den Schutz des väterlichen Arms aber nicht verlassen zu wollen.

Bernd beeilte sich, auf den Hauptweg zu kommen und bog nach wenigen Schritten auf diesen nach rechts ab Richtung Treptow, die Grillschwaden aus den meist türkischen Grillrosten immer im Rücken. Erst nach etwa hundert Metern ließ der Geruch langsam nach. Er erreichte die Brücke über die Straße, die den Park nach Osten hin begrenzt und überquerte sie zügig. Die Spaziergängerdichte ließ langsam nach.

Die Sonne stand noch relativ hoch in seinem Rücken und strahlte auf seine Jacke. Schnell wurde ihm zu warm. Er zog die Jacke aus und trug sie am Daumen über seiner Schulter.

Bernd verlangsamte seinen Schritt, beendete seine Flucht vor der emissionstarken Parkbevölkerung und ging über in seinen entspannten Spazierschritt. Erst jetzt begann er, auch die Umgebung und Menschen genauer wahr zu nehmen.

Kreuzberger Publikum zog an ihm vorbei. Deutsche Pärchen um die vierzig im edel-lässigen Alternativlook, etabliert, das ökonomische Rückrad des eher sozialschwachen Kiez‘, Studies zwischen ordentlich BWL und Ökoretro. Vier junge türkische Freundinnen mit Kopftuch nahmen fast die ganze Wegbreite ein.

Er entschloss sich, nicht weiter zu gehen. Er blieb nach der Brücke stehen und schaute über das Geländer am Wegrand gelehnt hinab zu einem Platz mit Bauwagen, der so genannten Wagenburg. „Burg“, dachte Bernd. „Eher ein Symbol für Schutz und Rückzug. Und hier sind es ein paar Bauwagen, auf die jeder herabsehen kann.“ Auch die Versuche der Bewohner, aus Bretterverschlägen Sichtwände zu errichten, ändertenn am Gesamteindruck nichts. Ein paar Bewohner saßen an Sperrmüllmöbeln zusammen und tranken Bier aus der Flasche. Sie unterhielten sich aufgeregt. Es drangen jedoch nur unvollständige Wortfetzen zu ihm herauf.

Bernd richtete sich wieder auf, setzte sich auf die Bank neben ihm und schaute weiter gelangweilt dem Treiben der Passanten zu. Kein Ende der Kreuzberger Sonntagnachmittagsspaziergangslitanei in Sicht, wohin er auch seinen Blick wendet.

Bernd fing schon an, seine spontane Spazierganginitiative zu bereuen, als ihm Paul entgegen kam. Bernds Gesicht hellte sich ein wenig auf, als er das Grinsen in Pauls Gesicht erkannte. Paul hatte ihn schon von weitem gesehen, als Bernd noch gedankenversunken den Passanten nachschaute.

Na, Bernd, was suchst Du hier um diese Zeit?“ rief Paul Bernd viel zu laut zu und gab ihm einen Kuss, bevor er sich neben Bernd auf die Bank setzte. „Sieht nach Sonntagsblues aus. Wohl gestern keinen abbekommen, was?“ Und setzte ein noch frecheres Grinsen auf.

Bernd stöhnte auf. Nach etwas Abwechslung hatte er sich schon gesehnt. Aber ausgerechnet Paul. Der fragte ihn jetzt bestimmt wieder detailliert aus, und zwar so, dass es jeder in 10 Metern Umkreis mithören kann ganz gleich, ob er es will oder nicht.

Bernd ächzte kaum hörbar gequält auf und versuchte gute Mine zum bösen Spiel zu machen. „OK, bevor Du mich hier öffentlich verhörst, kurz mein Protokoll des gestrigen Abends: Um 24 Uhr bin ich aus dem Haus gegangen und verschwenderischerweise per Taxi zum Nolli gefahren. Machte 15 Euro 60 Cent nach moderner europäischer Währungsrechnung. Von dort bin ich zu Fuß in die Scheune bis um halb Zwei. Für den Darkroom war ich mir zu diesem Zeitpunkt noch zu schade. Aber meine Ausstrahlung war scheinbar nicht dazu angetan auf andere einen guten Abfickeindruck zu machen. Keiner sprach mich diesbezüglich an. Nach dem Verzehr von drei Bieren, Becks aus der Flasche und etwa zehn Zigaretten, Lucky light, habe ich mich zu Fuß aufgemacht ins New Action. Dort verweilte ich bis 5 Uhr morgens, sexuell erfolglos trotz Darkroomaufenthalts. Vier Biere, ebenfalls Becks aus der Flasche waren der Preis für den Aufenthalt in diesem extravaganten Etablissement, die Zigaretten habe ich nicht mehr gezählt. Um die Nacht abzurunden, habe ich sie beendet wie begonnen mit einer Taxifahrt nach Hause zum gleichen Preis wie bereits vor beschrieben.“

Bernd hatte versucht, seine Beschreibung der vergangenen Nacht in einem Atemzug machen und endete damit etwas atemlos.

Paul lachte laut auf. „Du armes Ding! Dann bist Du ja hormonell völlig überdreht. Ich kann Dir da gern Abhilfe verschaffen, wenn Du willst gleich hier.“ und grinste dabei Bernd noch frecher an.

Paul konnte nicht mehr länger erstn bleiben und fing selbst an zu lachen. „Das ist unfair, ich pflege meinen Sonntagsnachmittagsdepri und Du bringst mich zum Lachen, Du alte Spielverderberin!“

Paul setzte seinerseits nun eine ernste Mine auf. „Die Depri sieht man Dir schon von weitem an. Woran liegt’s? Sexmangel allein wird’s wohl kaum sein. Oder?“

Weiß auch nicht? Es sind wohl ne Menge Kleinigkeiten, die für sich alleine nicht schwer wiegen. Die Kombination macht’s wohl aus. Keinen Kerl fürs Leben, kein Sex am Samstag, die Arbeit langweilt mich. Sonst geht’s mir ja gut. Bekomm jeden Monat Geld. Hab Freunde. Fahr jedes Jahr in Urlaub. Alles Gute kommt halt nie zusammen.“

Wann haste denn das letzte mal aktiv gesucht nach nem festen Kerl?“

Ich suche nicht, ich lass mich finden!“ antwortete Bernd mit angedeutetem zickigen Unterton.

Paul lachte laut auf. „Das hab ich auch noch nicht gehört. Faules Miststück, sitzt zu Hause bzw. im Park, bläst Trübsal statt Männer und wundert sich, dass es nix wird. Mensch, Du musst mehr unter Leute, und damit mein ich nicht ’nen Spaziergang am Sonntagnachmittag in einem Park mit nem Hetenanteil von 99,9%.“

Wieso, dann fall ich bei dem Resthomoanteil doch sofort auf, oder? Mathematisch muss es hinhauen.“

Paul schaute sich suchend um. „Und, hat schon einer angebissen? Und denk dran Schätzchen aus uns beiden wird nie ne feste Beziehung. Sitzt hier wie ne Praline in der Auslage von Hussel und wartet auf ein Schleckermaul.“

OK, OK, vielleicht hast Du ja recht. Bin halt nicht gut drauf und dann ziehste auch niemand an und dann komm ich erst recht schlecht drauf usw. usf. Das ist ne Endlosschleife, aus der ich nicht mehr rauskomme.“

Na, dann lass uns mal ein Stück gehen und uns das Leben mit nem Eis versüßen. Der Eisladen in der Falckensteinstraße hat doch immer exqusite und leckere Sorten. Du weißt ja, Essen ist der Sex des Alters.“

So weit ist es also schon mit mir gekommen.“

Nach einer kurzen Schweigepause standen beide auf und machent sich auf den Weg zur Eisdiele. Paul legte seinen Arm dabei tröstend auf Bernds Schulter und nach fünf Schweigeminuten kamen sie an der Eisdiele an.

Rote Luftballons an der Wand neben der Theke und an der Markise darüber schmückten den Laden für jeden Passanten unübersehbar.

Mittlerweile hatte sich das Wetter gewendet. Schwarze Wolken zogen vor die Sonne und einige Windböen kündigten das Herannahen eines Gewitter an. Erste schwere Tropfen fielen auf den Gehweg und erzeugten den typischen Gewitterduft, wenn sich die Erde nach langer Trockenheit erschrocken daran erinnert, was Regennass bedeutet.

Die Menschen, die sonst vor der Eisdiele im Sommer eine lange Schlange bildeten, hatten das Feld schon geräumt und sich in ihre Wohnungen zurück gezogen.

So mussten Paul und Bernd wenigstens nicht anstehn. „Zwei Kugeln bitte, Dolce Late und Kastanie, was willst Du Paul, ich lad Dich ein.“

Dank auch, womit hab ich das verdient. Gibt’s ein Kostenlimit? Ich hab nämlich gerade mit nem Krokantbecher geliebäugelt.“

OK, dann noch nen Krokantbecher, bitte.“

Und schon bald schleckten bzw. löffelten die beiden Ihre Eiskreationen zu Blitz, Donner und Schauerregen unter der Markise der Eisdiele.

Hm, denke das dauert nicht lange, können ja noch nen Kaffe bei mir trinken nachher. Wir warten hier einfach ein Weilchen.“

Ist mir recht, ich brauch eh ein bissschen für meinen Becher und er soll ja unterwegs schließlich nicht verwässern.“

Und so verfielen die beiden in genießerisches Schweigen und beobachteten dabei das Wetter, das sich tatsächlich schon bald aufhellte, ohne dass aber die Wolkendecke aufreißen würde.

Blitz und Donner verzogen sich. Der Regen blieb als Sommerregen zunächst erhalten.

Vom gegenüberliegenden Park kam eine kleine Menschentraube gelaufen. Alles konzentriert sich auf eine Person, um die herum die anderen sich bewegten.

Bernd und Paul stockten in ihrem Eisessen und betrachteten ungläubig die Szenerie.

Einem schwarzhaarigen jungen Mann Anfang Dreißig, bekleidet mit einer Camouflagehose, einem grauen Sweatshirt und Sportschuhen waren die Hände mit Handschellen auf den Rücken gefesselt. Eine Binde über den Augen machte ihn orientierungslos und führungsbedürftig.

Ein Typ in etwa gleichem Alter, Jeans, Jeansjacke, Sportschuhe hatte eine Gummimaske über gezogen, die nur die Augen und den Mund frei gaben. Er fasste den Gefesselten am Arm und schob ihn über den Platz zum Straßenrand.

Zwei weitere unvermummte Männer und eine offensichtlich türkischstämmige Frau, alle in etwa gleichem Alter, begleiteten die Beiden auf gleicher Höhe. Die Frau hielt einen aufgespannten Regenschirm schützend über das Opfer.

Die Szene an sich hatte etwas Unwirkliches. Und die Unaufgeregtheit, mit der sich alles abspielte, setzte dem noch einen drauf.

Der Delinquent wehrt sich kein bissschen, die Gruppe unterhielt sich ruhig, ohne dass Bernd oder Paul etwas verstehen konnten. Der prasselnde Regen schob einen isolierenden akustischen Vorhang zwischen Akteure und Beobachter.

Die Gruppe stoppte am Straßenrand. Ein dunkelblauer Mercedes hielt an. Die Hintertüre öffnete sich und der Maskierte schob den Gefangenen vorsichtig hinein, schloss die Tür und ging auf die andere Seite des Autos, um es ebenfalls hinten zu besteigen. Die Türe knallte zu, der Wagen fuhr unspektakulär ohne Hast los und verschwand. Die Gruppe löste sich einfach auf.

Langsam kamen Bernd und Paul wieder zur Sprache.

Hast Du gesehen, was ich gerade eben gesehen habe?“

Ich glaub schon, Paul. Dass ich so was in meinem Kiez noch erleben musste. Eine SM-Entführungssession auf offener Straße, am helllichten Werktag, ich meine natürlich Sonntag, und keiner stört sich dran. – Alle haben ihren Spaß nur ich nicht!“

Na, ich hoffe, dass das ganze wirklich nur ein Spaß war. Eigentlich sah alles ganz freiwillig aus, da haste recht. Aber irgendwie komisch war’s schon.“

Paul zog ein Hankytuch aus seiner Hosentasche. „OK, dreh Dich um, ich verbinde Dir die Augen und entführe Dich zu Deiner Wohnung, damit Du mir einen Kaffee kochst, Sklave!“

Bernd prustete los, „Das hätte mir noch gefehlt, dass Du mich entführst und den Meister mimst. Ne, ne, ne, lieber nicht, ich mach den Kaffe ja schon freiwillig. Du bist einfach zu nett Kleiner, als dass ich Dir den Sado abnehmen könnte. Tut mir leid. Iss erst mal brav Dein Eis auf, dann gehen wir zu meiner Wohnung, Regen hin, Regen her.“

So kommt nie das gewisse erotische Knistern zwischen uns beiden auf, das sag ich Dir. Na gut, als Kompromiss machste uns den Kaffee eben freiwillig. Aber wenn Du es Dir anders überlegst, dann sag Bescheid.“ Und wedelte mit seinem Tuch.

Schweigend aßen sie ihre Eis zu Ende und begaben sich auf den Heimweg zu Bernd. Paul  war plötzlich ungewöhnlich nachdenklich und stumm.

Bernd genoss die Stille als willkommene Atempause. Er warsich sicher, dass dieser Zustand in der Gesellschaft von Paul nicht lange andauern würde. Er verzichtete daher auf eine Nachfrage und stimmte in das Schweigen mit ein.

Nachdem Sie den Park durch- und die Wiener Straße überquert hatten, kamen sie an Bernds Haustür zum Stehen. Bernd wollte gerade aufschließen, als Paul kleinlaut sein Sprache wieder erlangte: „Hm, Bernd, macht es Dir was aus, wenn ich mich auf den Weg mache. Ich muss noch was erledigen, das ich völlig vergessen hatte. Tut mir echt leid, aber es ist mir wirklich völlig entfallen und wirklich sehr wichtig.“

Bernd wunderte sich etwas darüber. Insbesondere die kurze und wenig substantiell unterlegte Begründung entsprach gar nicht Pauls Art, der sonst alles ausführlichst begründete, ganz gleich, ob es sein Gegenüber wissen wollte oder nicht.

Bernd zuckte scheinbar gleichgültig mit den Schultern: „Ist schon in Ordnung. Mach, was Du nicht lassen kannst. Den Kaffee können wir ja ein anderes mal nachholen. Ruf mich einfach an. Ja, Kleiner?“

Nein, ich meine, ja, danke, tut mir leid, aber ich muss jetzt ganz schnell los. …“

Mit dem letzten Wort drehte sich Paul um und rannte los, ohne noch einmal zum Abschied ein Wort zu verlieren. Bernd schüttelte den Kopf und rief Bernd hinterher: „Pass auf Dich auf!“

Doch Paul reagierte nicht mehr und verschwand schnellen Schrittes wortlos in Richtung Bushaltestelle.

%d Bloggern gefällt das: